Vucciria Lyrics De

Vucciria

 

Scappavamu ri nichi e nichi

“Strata liscia, pista vascia!”

Iccati ddà nei viculicchi

A pieri in tierra, in tiesta ‘a guerra.

Me’ matri avieva ‘i sdillinchi, ch’i tiritanchi,

Mentri ju spicava ch’i manu nei cianchi

Assicutatu ‘i tutti comu ‘u carru r’i santi.

“Sangu ru sagnu r’i me’ vini

si t’annagghiu t’i rugnu ne’i rini!”

Me’ matri nun lu sapi ca mi scassu ri forst

E poi satariu attipu grillu

Una sardella

In capu a’ sella

In capu ‘nu quintale ‘i gel

Arrivu isannu in mienzu o’ burdiellu

Ma me’ matri chi voli capiri, si nun mi viri,

Ju cercu l’amuri in mienzu ‘o Garraffaello.

Ciesca ciesca, ‘a chiazza

è un armalu chinu chinu ri tieste,

Chinu ri vrazza

A’ punt’a cantuniera incocciu quattru amici mia

Mi finisci ‘a cunfusioni er accumincia ‘a Vuccirìa

 

Ccà nun c’è nuddu ca nni rici niente

Nun c’è nuddu ca nni cunta favole

‘A matina abbannìu

‘A menz’jornu abbannìu

Tutta ‘a sira abbannìu

Arriva ‘a notti e fazzu vuccirìa

 

‘Atti mmriachi runn’egghiè

A unu a unu càrinu attipu niespuli

Unu lientu lientu pi lanzari s’arrassa

E viu ‘stu ciuri biancu, una cavadda ri razza,

Troppu delicata, troppu assistimata

Sulu sulu ca mi rici “cionnami” c’una taliata

Smuntu r’u muturi

N’a me’ tiesta attacca ‘u film e ju sugnu l’atturi

Anzi ju e idda nuri

Chini ri sururi

Nni schiacciamu i punti nivuri doppu l’amuri

Mi pigghiu ri curaggiu e ci ricu: “chi fa,

N’ammuttunamu i birra fino a doppuruma’?”

 

Nun mi nni avieva addunato

A lato ‘i l’amuri miu

C’è ‘u so’ zito, acciuratu,

Cu’ un pezzu ri cutieddu ca parinu dui,

Unu in capu all’avutru, simpatico,

Mi quartìu e ni viru n’avutru, poi n’avutru, poi n’avutru…

 

Si mi scusassi e m’a svignassi,

Ma chi pienzi ca ‘un m’a scapuliassi?

Ma ormai addivintavu n’armale

E l’antitetanica m’a fici a natale

P’un muzzicuni ri cane,

E ‘u culu ormai ‘un mi fa cchiù male

Trovu una vuci e ‘a jeccu supr’a Vuccirìa

“Ora viriemu cu è ca s’arrifardia!”

 

Ccà nun c’è nuddu ca nni rici niente

Nun c’è nuddu ca nni cunta favole

‘A matina ju abbannìu

‘A menz’jornu abbannìu

Tutta ‘a vita abbannìu

Arriva ‘a notti e fazzu vuccirìa

 

“Cu ‘i vagnò ‘i balati r’a vuccirìa?”

Sunnu quattru contr’a unu

Iccati all’anciluni versu ‘i mia

‘A genti s’allasca a taliare,

‘A chiazza è un giru ri nasca, è ‘n altare

E nui cinqu’ ddà nmienzu ‘o tagghiere

Haju un aumientu di freve

Ogni vota ca unu avanza un piere

S’avvicinanu ma nun mi spostu n’arriere

Mi pari tutta una manu ca strinci supra ‘u pusiere

 

Cu fu ca vagnò ‘i balati r’a vuccirìa?

S’u vegnu a sapisciu m’allisciu e poi m’u vasu tuttu

Ju a vu’ avutri vi futtu

Cu ‘sti balate lippuse

Vi fazzu cariri senza bisognu ca v’ammuttu

Infatti (sentiti chista, eranu quattru no?):

‘U primo sciddicò e ‘u sicunnu ci cariu in capu

‘U terzu li azziccò e sbattìu ‘a tiesta supra ‘na balata

‘U quartu si vutò e si firriò

Si intisi minacciato e s’a scapputtò

 

Comu fu, comu non fu

In menzu a tutt’a genti arristamu sulu

Ju e l’amuri miu, mischina, traumatizzata p’u riestu r’a vita

Si idd’a sienti parrari, nun havi cchiù parole

Ci prova siempre ma ormai s’a fira sulu a diri:

“Stump staz stupurutanz!”

Vucciria[1]

 

Schon als Kinder sind wir immer weggerannt

“Alles klar, der Weg ist frei!”

Wir hingen in den Gässchen ab

Barfuss, aber mit dem Krieg im Kopf

Meine Mutter wurde ohnmächtig

und kriegte Krämpfe

Mit den Händen in die Seiten gestemmt wuchs ich auf

Gefolgt von allen, wie der Heilge auf dem Karren

“Du Blut meines Blutes [2],

wenn ich dich kriege versohl’ ich dir den Hintern!”

Meine Mutter weiss nicht, dass ich mich mit Forst-Bier betrinke [3]

und dann wie eine Heuschrecke herumhüpfe

Eine Sardine, auf den Sattel

Kilos an Gel im Haar

Auf einem Rad rausche ich in die Menge

Wie kann meine Mutter mich denn verstehen, wenn sie mich nicht sieht?

Ich suche nach Liebe, mitten auf dem Garraffello Platz

Suche suche, der Platz

Ist ein Tier mit unzähligen

Köpfen und Armen

An einer Strassenecke treffe ich auf eine Gruppe von Freunden

Meine Verwirrung endet und die Vuccirìa beginnt [4]

 

Hier sagt niemand was

Keiner erzählt dir Märchen

Morgens schreie ich

Mittags schreie ich

Den ganzen Abend schreie ich

Dann kommt die Nacht und ich mach’ Vuccirìa [5]

 

Betrunkene Kätzchen überall

Wie Mispeln fällt eine nach der anderen

Eine zieht langsam zum Kotzen ab

Und ich sehe eine weiße Blume, ein echte Zuchtstute

Zu zart, einfach zu süß

Nur mit ihren Augen sagt sie “reiß mich auf”

Ich steige vom Motorroller ab

In meinem Kopf geht der Film los – und ich bin der Hauptdarsteller

Besser noch, sie und ich nakt

im Schweiß badend

Wir drücken uns die Mitesser nach dem Liebe machen aus

Ich werde mutig und sage zu ihr: “Nun,

Was sollen wir machen? Füllen uns mit Bier ab, bis Übermorgen?”

 

Ich war mir gar nicht bewusst,

Dass neben meiner Liebsten ihr Freund stand,

Mit einem Messer, so groß dass es zwei sein könnten

Eines über dem anderen, wie sympathisch!

Ich schaue mich um und sehe noch einen

und noch einen und noch einen

 

Wenn ich mich entschuldigen und einfach abhauen würde,

Meinst du nicht dass ich damit durchkommen würde?

Inzwischen bin ich aber tierisch sauer

Und die Tetanus Impfung hab ich erst Weihnachten gemacht

Weil ich von einem Hund gebissen wurde

Und der Hintern tut mir deswegen auch nicht mehr weh

Ich finde eine Stimme und schmeisse die auf die Vuccirìa

“Nun schaun wir mal wer sich zurückzieht!”

 

Hier sagt niemand was

Keiner erzählt dir Märchen

Morgens schreie ich

Mittags schreie ich

Mein ganzes Leben schreie ich

Dann kommt die Nacht und ich mach’ Vuccirìa

 

Wer hat die Pflastersteine der Vuccirià nass gemacht? [6]

Es sind vier gegen einen

Die sich drohend gegen mich richten

Die Leute scharren sich um zu gaffen

Der Platz ist ein Nasenloch, ein Altar

Und wir fünf mitten auf dem Hackbrett

Mein Fieber steigt an

Bei jedem Schritt den einer von denen macht

Sie kommen näher aber ich weiche nicht aus

Mir scheint’s wie eine Hand die einen Daumen drückt.

 

Wer war’s der die Pflaster der Vuccirà nass gemacht hat?

Wenn ich das rausfinde komm ich ihn umarmen

Und küss ihn überall

Ich verarsch’ euch alle

Auf diesen glitschigen Steinen schmeiss ich euch um,

Ohne dass ich Euch schubsen müsste

In der Tat (Hör mal, es waren vier, oder?):

Der Erste rutscht und der Zweite fällt über ihn

Der dritte sticht beide aus versehen ab und Fällt auf einen Pflasterstein

Der Vierte dreht sich und dreht sich um Er fühlt sich bedroht und haut ab!

 

Wie dem auch sei

Inmitten all der Leute Bleiben nur meine Liebste und ich, die Ärmste!

Traumatisiert für den Rest ihres Lebens

Wenn ich sie reden höre… findet sie keine Worte

Sie versucht immer zu reden, aber das einzige was aus ihr rauskommt ist

Stump staz stupurutanz!

[1] Die Vuccirìa ist einer der Märkte Palermos, während der arabischen Besiedlung von Palermo (831-1072 AD) gegründet. Auf Sizilianisch wird der Terminus für “große Verwirrung” / “großes Getümmel” genutzt, kommt aber vom gleichen Ursprung der auch in verwandten Sprachen vorkommt, wie “boucherie” auf Französisch, “butcher” auf Englisch, “boqueria” auf Spanisch, die Orte beschreiben an denen Fleisch und auch Fisch verkauft wird. Jahrhundertelang basierte der Markt der Vuccirìa auf Lebensmitteln, hat aber im letzten Jahrzehnt den Look gewechselt. Auf Grund der vielzähligen Konkurrenz von Einkaufszentren und Supermärkten nimmt die Aktivität der Freiluft-Märkte ab, die sich gezwungen sehen auch des Nachts zu öffnen: Kurzum, Vuccirià wird Synonym von günstigem Alkohol, lauter Musik die ganze Nacht, Kassenzettel gibt es nicht. Heute ist es ein Ort des ungeregelten Nachtlebens von Palermo wo sich unterschiedlichste Palermitaner treffen: Studenten, 60 Jahre alte Obdachlose, 13 Jährige Jungs der sozial benachteiligten umliegenden Viertel, echte und falsche Künstler und “Tasci”, (“Prolls”, Plural von “Tascio” von Engl. Trash, wahrgenommen als Parasit, sozial vernachlässigt und unkultiviert). Das Lied “Vuccirìa” erzählt eine Geschichte aus der Sicht eines “Tascio”

[2] “Sangu ru sagnu r’i me’ vini” sizilianische Redensart, wörtlich “Blut meines Blutes”, meint üblich Sohn oder Tochter

[3] Forst Bier hat eine Fabrik in Palermo. U.a. auf Grund der niedrigen Logistik-Kosten ist es einer der günstigsten Getränke und d.e. das Bier der Arbeiter der “Palermo Calcio” Ultras, die alle in Forst Bier fast eine Religion sehen. Es ist natürlich das “offizielle” Bier der Vuccirìa

[4] Wie bereits erwähnt, Vuccirìa ist der Name des Marktes aber davon ableitend Synonym von “großer Verwirrung”, wovon sich das Sizilianische Wortspiel im Original ableitet.

[5] s. Fussnote 10.

[6] Von Arabisch “Balat”: Stein. Pflasterstein im Original-Text ist “Balat”, was genau die großen, schweren Pflastersteine beschreibt, die das Bild des historischen Stadtzentrums Palermos prägen. Das Sprichwort “die “Balate” der Vuccirìa trocknen niemals” ist ein altes Sprichwort und beschreibt einen Zustand der nie eintreffen wird.